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Post von Koch

Parteitage sind ein Fest der Selbstvergewisserung. Wenn es gut läuft, dann ist die Stimmung prächtig, die Delegierten klatschen aus vollem Herzen, erheben sich nach einer guten Rede und es gibt Wahlergebnisse mindestens um die 90 %. Am nachfolgenden Tage sind die Tageszeitungen voll mit Berichten und -je nach Stimmung des Berichterstatters- analysierenden Kommentaren.

Die Delegierten fahren bepackt mit Beschlüssen und hoch motiviert in ihre Kreisverbände und erzählen wie einst die Jünger Jesu begeistert von dem, was ihnen widerfahren ist. Aufmerksame Zeitgenossen schreiben hernach Glückwünsche an die Vorsitzenden und ihre Getreuen und nehmen so noch lange am Feste teil, selbst wenn sie, vielleicht zwar körperlich, aber eben nicht geistig dabei sein konnten.

Im November versuchte sich die Thüringer CDU an einer solchen Selbstvergewisserung. Der Ausgang ist bekannt. Dennoch schickt es sich für Parteifreunde, auch zu den selbst erklärten “Arbeitsergebnissen” zu gratulieren, zumal dann, wenn man selbst vor der eigenen erneuten Nominierung steht. Im Überschwang dieser Glücksgefühle wird jeder umarmt und beglückwünscht, auch wenn jene gar nicht zur Wahl standen.

So dürfte sich die in 2009 gewählte hiesige Landtagspräsidentin ob ihrer vermeintlichen Wiederwahl als eben solche über eine europäische Grussadresse freuen. Dem Anspruch der Thüringenpartei war dieser fromme Wunsch natürlich gerecht, aber mindestens Parlamentarier sollten wissen, Parlamentspräsidenten wählen nur die Parlamente. Aber auch der seit fünf Jahren im Amt befindliche Fraktionschef bekam Post mit aufrichtiger Gratulation und dem Wissen um die schwierige Aufgabe, der vorhandenen Erfahrung und Sensibilität – zu seiner Wiederwahl als Generalsekretär. Dem Amtsinhaber mag es wegen der ausgebliebenen Briefpost grämen, aber er kann sich sicher sein, spätestens in fünf Jahren wird nachträglich gratuliert.

In den 1970er Jahren spottete man in Ermangelung der Kompetenzen des Europaparlaments und der damit einhergehenden Bedeutungslosigkeit: Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa. Im Laufe der Jahre hat auch in Brüssel der Wandel Einzug gehalten. Deswegen gilt der alte Spott nicht mehr. Aber neuer Spott bleibt: Ist dein hohes Amt dir noch so Joch, bekommst du Post vom Europa-Koch.

Vogelfestspiele

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In einer Woche beginnen nie dagewesene Feierlichkeiten. In Berlin, in Erfurt und in Speyer soll dem Jubilar eine knappe Woche lang mit einem Buch, Ehrungen, Reden, Namensgebungen und Ehrenmitgliedschaften gewürdigt werden, der unnachahmbar in zwei Bundesländern regiert, zwei Landesverbände der CDU angeführt, zweimal den Bundesrat vorgestanden, zweimal der Konrad-Adenauer-Stiftung vorgesessen und sogar dreimal absolute Mehrheiten errang. Nur eine Ehrung bleibt ihm versagt, die kostenlose Strassenbahnfahrt durch Erfurt dank einer städtischen Ehrenbürgerwürde. Was im kleinen Nest Tröbnitz dank eines einflussreichen Bürgermeisters gelang, soll in der Landeshauptstadt unmöglich sein.

Mit Namensgebungen tun sich aber allerorts Politiker schwer. Erst zum vergangenen Landtagsplenum konnte man dies herrlich verfolgen, als der Thüringer Gesetzgeber zu weiteren freiwilligen Gemeindezusammenschlüssen beraten und deren Neugliederung beschlossen hat. Ein bizarrer Namenstreit um eine Stadt hätte dabei fast den Frieden der mittlerweile stabil arbeiteten schwarz-roten-Koalition gefährdet und das gesamte Gesetzespaket zu Fall gebracht. Während in der heimischen Kreisliga Süd längst die Kicker unter dem gemeinsamen Fusionsnamen SG Königsee/Rottenbach spielen, wollten Lokalpolitiker die örtliche Namensgebung, die schon durch einen Vertrag besiegelt war, mit einer Befragung der Einwohner kippen. Immerhin 1726 der 4368 wahlberechtigten KönigseerInnen haben sich hernach auch für den Namen „Königsee“ ausgesprochen. Ein deutliches Votum. Wenn man nur nicht vergessen hätte, die Einwohner im kleinen Örtchen Rottenbach zu fragen, was die denn davon hielten. Aber selbst wenn sämtliche Wahlberechtigte aus dessen neun Ortsteilen gemeinsam für den Doppelnamen votiert hätten, es wäre vergebens gewesen. Am Ende entschied der Landtag für die Fusion, vertragstreu und gegen das Votum des Innenausschusses, der erst Stunden zuvor das Neugliederungsgesetz noch einmal aufschnürte.

Nicht minder verwunderlich, wie sich eben in Erfurt ein Streit um den Altministerpräsidenten Bernhard Vogel entzündete. Während im Landesparlament hinter den Kulissen seit Monaten um die Idee einer Namensnennung der Fraktionsräume still und leise verhandelt wurde, knallte mit voller Wucht eine beschämende lokalpolitische Petitesse an die Öffentlichkeit. Hochmögende Erfurter Bürger wollten dem kurz vor seinem 80. Geburtstag stehenden demokratisch gewählten Doppelregenten von Rheinland-Pfalz und Thüringen die landeshauptstadtliche Ehrenbürgerwürde verliehen wissen. Der rot-rot-grünen geführten Erfurter Ratsmehrheit war dies aber zu viel der Ehrung. Vogel habe nichts herausragendes für die Stadt geleistet. Deswegen sei man mit einem Willy-Brandt-Platz, einem Kurt-Schumacher-Forum und gar eine Regine-Hildebrandt-Strasse natürlich viel besser bedacht. Man könne dem Jubilar ja einen Brief zum Geburtstag schreiben, so der sozialdemokratische Oberbürgermeister. Na wenn das nicht rührig ist.

Einstimmig dagegen das Votum des Ältestenrates im Landtag. Und nach erteilter Genehmigung durch die Landtagspräsidentin darf die hiesige CDU ihren Sitzungsraum nun „Bernhard-Vogel-Saal“ nennen. Der Größe des christdemokratischen Raumes angemessen geht es unter „Saal“ natürlich nicht. Aber selbst für die Linke wäre eine Namensgebung nicht schwer, würde man sich doch auf eine gegenwärtig weit weg in Europa sitzende Abgeordnete und ehemalige Vorsitzende einigen. Name und Raumgröße wäre gleichermaßen angemessen berücksichtigt: Gabi’s „Zimmer“.

Noch einfacher hätten es die hiesigen Sozialdemokraten, die ganz Erfurt mit SPD-Größen benennen wollen und dem nahe liegenden Gotha offensichtlich als sozialdemokratische Brutstätte alle Ehren streitig machen wollen. Könnte man doch den Fraktionsraum der Genossen gleich der kleingeistigen Debatte um die Ehrenbürgerschaft Vogels und das letzte Wahlergebnis berücksichtigend einfach umbenennen, in SPD-Zelle.

Einem Bernhard Vogel wäre dies wohl nicht recht. Ist er doch regelmäßig bemüht gewesen, wohl nicht nur seines Bruders, sondern der Demokratie Willen, daß es eine zweite, wenn auch kleine, Volkspartei gibt. Mögen also die Spiele beginnen …

Präsidenten

Es ist einsam um unseren Bundespräsidenten Joachim Gauck geworden. In dem einem Sternenhimmel gleich ausgeleuchteten Kabinettsaal in der Thüringer Staatskanzlei ist das Porträt des deutschen Staatsoberhauptes der letztlich verbliebene Schmuck.

Präsidenten kommen und gehen. Das war schon immer so und in Demokratien ein nahezu natürlicher Vorgang. Aber so karg wie heute waren die Wände der heiligen Hallen in der Erfurter Regierungszentrale lang nicht mehr behangen. Seit der Bundespräsidentschaft von Richard von Weizäcker hat es immer wieder zunächst turnusmäßige und später geradezu hektische Bilderwechsel gegeben. Und mit der Präsidentschaft von Horst Köhler erinnerte sich auch der seinerzeit amtierende Ministerpräsident seiner Vorgänger im 1920 gegründeten Land Thüringen, was dazu führte, dass an der Stirnseite des Regierungssaales sechs schwarz-weiss Porträts von den vormaligen Vorsitzenden des Staatsminsteriums, Dr. Arnold Paulssen, bis zum Ministerpräsidenten Dr. Rudolf Paul ausgestellt wurden. Die hübsche Galerie vervollständigten die nach der friedlichen Revolution ins Amt gewählten Ministerpräsidenten Josef Duchac und Dr. Bernhard Vogel an der längeren Seite des Raumes – mit Platz für viele Nachfolger. Und nach der Landtagswahl 2009 gesellte sich der “Galerist” und Ideengeber der illustren Männerrunde selbst in den Bilderreigen.

Seither regieren in der ehemaligen Kurmainzerischen Statthalterei nur noch Frauen. Die gute Stube wurde gemalert und die Bilder der Ministerpräsidenten in Reih und Glied gegenüber des Platzes der Regierungschefin aufgehangen. Dieses vis-à-vis mit den Vorgängern führte offensichtlich zu aufwallenden Gefühlen beim historischen Blick auf die  Vorgänger bei den neuen Hausherrinnen. Eine neuerliche Malerwut erfasste die selbsterklärte Dienstleistungszentrale mit der Folge, dass nun schon seit Wochen die “alten Männer” aus dem Angesicht verbannt wurden. So bleibt den schwarz-roten Koalitionären das Phänomen des Déjà-vu erspart und die Erkenntnis: die Männer in der Staatskanzlei sind vorerst verschwunden.

Radikalreformer

Radikalreformer sind laut und ungeduldig. Bodo Ramelow war beides. Herr Dette ist beides. Der eine ist Politiker und weiss, zumal immer Oppositionspolitiker, um das Entscheidende erfolgreich sein zu können: Zeit und Mehrheit. Das letztere fehlt ihm, hoffentlich noch lange. Der andere ist Präsident des Rechnungshofes beim Land. Zeit hat er auch, bei zwölf Jahren Amtszeit reichlich und trotzdem drängt es ihn immer schnell an die Öffentlichkeit. Mehrheit holt er sich im Kollegium der Direktoren. Fehlt ihm diese, kann er schwerlich für den Rechnungshof sprechen, dessen Pressesprecher nutzen und die Homepage der Behörde. Tut er es trotzdem, bleibt die alte Frage: Wer prüft die Prüfer? Aber darum geht es hier gar nicht.

Angefangen hat alles mit der über die Sommerpause verschobenen Entscheidung zum Doppelhaushalt. Seither meinen manche den vermeintlichen Koalitionskonflikt von außen lösen zu müssen. Und dazu mit nichts geringerem als einer Kreisgebietsreform. So radikaler die Vorschläge, um so größer die Überschriften. Je weniger Landkreise, um so mehr Experte der Vorschlagende. Und der Zukunft zugewandt.?

Hängt die Handlungsfähigkeit des Freistaates wirklich an größeren Kreisgrenzen? Sind es nicht vielmehr heute nur noch vier oder sechs Landkreise und morgen ganz die Existenz des Landes Thüringen, weil vermeintlich Mitteldeutschland natürlich noch viel mehr Geld sparen würde!? Jeder Radikalreformer bleibt nach wie vor eines schuldig: nämlich was spart denn tatsächlich eine Kreisgebietsreform? In der hier geltenden Haushaltskameralistik im Jahr der Reform und danach in jedem Jahr? Selbst der Rechnungshofpräsident kann diese Rechnung nicht präsentieren.

Manche sagen, die Globalisierung fördert die Sehnsucht nach Heimat. Manche warnen vor Monstern, die um die Ecke schielen, wenn der Landkreis zu groß wird. Andere denken, mit Kfz-Kennzeichen könne die Identität gewahrt bleiben. Dies ist nicht falsch. Aber um was geht es wirklich, wenn die Union einer Kreisgebietsreform konsequent ihre Zustimmung versagt? Es geht ganz schlicht um Strukturpolitik. Das Land muss seine Konsolidierung unumkehrbar machen. Eine Schuldenbremse in der Landesverfassung wäre dazu eine wichtige Leitplanke. Manche Radikalreformer wollen das nicht. Wirklicher Personalabbau in der Landesverwaltung, ein Personalentwicklungskonzept dazu wären weitere richtige Schritte. Als das spart aber auch noch kein Geld. Geld spart eine schlanke Verwaltung, weniger Standards, weniger Aufgaben, weniger Bürokratie, weniger Landesbehörden, mehr tatsächliche kommunale Selbstverwaltung, mehr Zusammenarbeit, mehr Eigeninitiative.

Aber soll das Land auf eigene Politikgestaltung verzichten? Ist es richtig einen Großteil der Grundzentren einfach ihren Status zu nehmen. Glaubt wirklich ernsthaft einer der Radikalreformer, wenn z.b. Apolda, Eisenberg oder Sömmerda ihren Kreisstadtstatus verlieren würden, die Welt wäre in Ordnung? Was folgt denn dann nach dem Wegfall der Landratsamtes: das Amtsgericht fällt weg, dann die Polizeiinspektion, später das Kreiskrankenhaus mit der Regelversorgung, danach die Gymnasien, damit unzählige Arbeitsplätze, Kaufkraft ohnehin und am Ende das was durch Strukturpolitik eine Region ausmacht: Lebensqualität.

Manch einer ruft immer nach Profil der Parteien, auch ich. Ich möchte auf dieses Profil der Union nicht verzichten. Dann sind wir doch mutig genug und machen diese Strukturfragen zu einem Thema im kommenden Landtagswahlkampf. Vermeintliche Eliten mögen eine Meinung haben, die Thüringer haben ihre Meinung. Radikalreformer werden ohne Mehrheit bleiben.

Wahlmontage

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Eine Handlungsanleitung. Am Montag nach der Wahl gibt’s Blumen. Für die Sieger und erst recht für die Verlierer. Es sei denn, man heisst Wolfgang Kubicki, dann schläft man lieber seinen Rausch aus. Sieger haben es am Wahlmontag leicht. Dabei sind die gefühlten Gewinner in der Gunst der Aufmerksamkeit fast noch stärker als die tatsächlichen Sieger, weil sie entgegen aller Prognosen im Vorfeld der Wahl mehr Wähler mobilisiert haben, als ihnen wirklich zugetraut wurde.
Schlimmer steht’s um den Wahlverlierer. Aber auch das ist schon eine Frage der Definition. Eigentlich gewinnt der, der die stärkste Fraktion stellt und eine reale Koalitionsoption hat. So gesehen blieb für viele Sieger in den letzten Jahren nur, den Blumenstrauß in Berlin und dann natürlich bei den Freunden daheim abzuholen. Stefan Mappus, Dieter Althaus und Jost de Jager können ein Lied davon singen.

Je nach Wahl geht der Singsang immer so: Die Kommunalwahl war ausschließlich eine Personenwahl und hat mit der Landesebene aber nun wirklich nichts zu tun. Die Landtagswahl war eine reine regionale Wahl, eine Auswirkung auf die Bundesebene muss der „Sieger“ vehement verneinen. Zumindest am Montag noch. Da gibt’s nämlich die wichtigen Vorstandssitzungen. Falls der Kandidat noch nicht zurückgetreten ist, dann steht selbstredend der gesamte Vorstand geschlossen hinter ihm. Parallel kann man dann aber ruhig schon die Gespräche zur Nachfolge führen. Spätestens am Mittwoch muss klar Schiff gemacht werden. Ist der Blumenstraußempfänger Mitglied eines Kabinetts, folgt unbedingt die Entlassung. Das muss dann Konsequenz genug sein. Bitte schön. Ist der zu Nötigende selbst noch immer Chef, müssen Emissäre durch Interviews und Telefonate das Nötige veranlassen. Der Rücktritt kommt.

Jetzt muss die Ph(r)ase der Erneuerung und Modernisierung beginnen. Auf vorherige Teilnahme kommt es nun nicht mehr an. Garantiert ist die nachfolgende Person der Türöffner für Koalitionen mit den Grünen und selbstredend für die Sozialdemokratie. Die alten Freunde und Haudegen des eben Zurückgetretenen müssen nun auch weichen. Gnadenlos, wenn man als gesamte Truppe die Oppositionsbank drücken muss. Mit Gnade, wenn man in Koalition weiter regieren darf. Voraussetzung ist aber unbedingt ein Blick in die Bibel zur traurigen Geschichte der Verleugnung des Petrus. Die Reduzierung der Dienstwagen zwingt dazu. In Baden-Württemberg kandidierte nach der Wahl fast das gesamte vormalige Kabinett für den neben dem Fraktionsvorsitz einzig verblieben Posten des Landtagspräsidenten. In Nordrhein-Westfalen geht nicht mal mehr dies. Dort wird seit der Wahlnacht Mikado um den Landesvorsitz gespielt, der auch den Fraktionsvorsitz mindestens ab 2013 sichert. In Schleswig-Holstein war es noch einfacher. Da hat es der Spitzenkandidat nicht mal in den Landtag geschafft und die Kanzlerin in ihrer Güte hat zugleich ausrichten lassen, in Berlin gäbe es nun wirklich „keine Verwendung“.

Falls der Delinquent, so wie in Thüringen, nach dem Rücktritt es sich noch einmal überlegt und doch weitermachen mag, dann hilft nur noch eines: schnell beim Chinesen Ente süß-sauer bestellen.

Urlaub

Was für tolle Zeiten. Die neu am politischen Horizont aufgetauchten Piraten, die in den meisten wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen trotz ihrer Schwarmintelligenz nicht auskunftsfähig sind, fordern die Aufhebung des Tanzverbotes am Karfreitag. Toll. Warum nicht zu Beginn der Osterzeit vier Tage durchtanzen. Wenn schon Urlaub, dann aber richtig. Feiertag mitnehmen sehr wohl, nachdenken über das Warum nicht. Es erstaunt schon, wie wenig man in diesen Tagen braucht, um zur dritten Kraft in den Umfragen aufzusteigen. Das Wissen um die Grundlagen unserer Kultur gehört offensichtlich nicht dazu, sonst würden auch die Schwarmintelligenten wissen, daß der Karfreitag für die Christen zu den höchsten Feiertagen gehört, um im Stillen an den Tod Jesu am Kreuz in Erwartung seiner Auferstehung zu gedenken. Deshalb gehört es zu den Aufgaben unseres Staates, die prägenden Grundlagen unserer Kultur durch öffentliche Ordnungssetzung zu schützen.

Tanzen können jedenfalls die Piraten, die im Öffentlichen Dienst tätig sind. Jüngere Beschäftigte in unseren Behörden dürfen sich nämlich auf Grund eines Urteils des Bundesarbeitsgerichtes auf bis zu vier Tage mehr Urlaub freuen. Toll. Nach Ansicht der Richter ist es diskriminierend, eine Differenzierung der Urlaubsdauer vorzunehmen und da nach dem Tarifvertrag die älteren Arbeitnehmer bisher mehr Urlaub erhalten, muss dem gesteigerten Erholungsbedürfnis durch Angleichung der Urlaubsdauer “nach oben” Rechnung getragen werden. Auf die Idee zu kommen, eine Angleichung “nach unten” wenigstens zu prüfen, werden die älteren Richter sicher nicht in Erwägung gezogen haben.

Noch toller sind aber derzeit einige Juristen in der Justizpolitik. Mit “Lockerungen” im Strafvollzugsrecht soll Schwerstkriminellen Urlaub von ihren langjährigen Haftstrafen gewährt werden. Urlaub von der gerechten Strafe. Toll. Unter dem Mantel der Resozialisierung soll Mördern, Totschlägern, Räubern, Geiselnehmer, Kinderschändern und Terroristen nicht mehr erst nach zehn Jahren Hafturlaub gewährt werden, sondern schon fünf Jahre früher. Der Schutz der Opfer ist dabei offensichtlich ohne Belang. Der Genugtuung über eine gerechte Strafe, der in unserem Rechtsstaat ein ordentliches Verfahren vorausgeht, folgt nun die Angst, den gestellten Täter nicht mehr viele Jahre weggesperrt, sondern demnächst im staatlichen Erholungsurlaub schlendernd in der Nähe seiner früheren Opfer und Tatorte zu sehen. Die Diskussion um früheren Hafturlaub dreht sich um solche Täter, die Delikte begangen haben, bei denen das deutsche Strafgesetzbuch Höchststrafen von mindestens 10-15 Jahren vorsieht. Wohl aus gutem Grund. Übrigens, auch hier hilft eine alte Weisheit, denn ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung. Vor dem Vollzug der tollen “Lockerungsübungen” mit Urlaub für Schwerverbrecher sollte man einen Satz genau lesen: Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten.

International Airport

Anzeigetafel

„Im Grunde genommen starten Sie am Hauptbahnhof Ihren Flug.“ Mit diesem legendären Satz begründete der frühere Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sein Engagement für eine Transrapidstrecke vom Hauptbahnhof zum Flughafen. Nun hat Stoiber seine eigene Aussage in einem Video mit Stromberg parodiert. Gezeigt wurde der Clip bei einer Preisverleihung in Frankfurt und macht natürlich im Internet seine Runde.
Parodiert wird die ganze Geschichte auch in Thüringen. In Erfurt kann man auch, natürlich nicht in zehn Minuten, im Grunde genommen am Hauptbahnhof seinen Flug starten. Die Strassenbahnlinie 4 fährt direkt zum eben erst umbenannten Flughafen Erfurt – Weimar. Nur dann staunt der fröhliche Reiselustige. Während an jeden Terminal in der Welt den Fluggast sofort das Fernweh ergreift und in Sekundenschnelle an der Abflugtafel neue Flüge angezeigt werden, schläft man am International Airport Erfurt – Weimar eher ein, als das sich etwas an der Abfluganzeige bewegt.
Verzweifelte Erfurter Grünen-Stadträte lassen sich angesichts des enormen Besucheraufkommens durch die Strassenbahngäste nun zu neuen Ideen hinreissen und wollen auf dem 324 ha großen Flughafengelände einen Solarpark errichten. Nebst den schon 200 Millionen geflossenen Fördermitteln und künftigen Subventionen für den Solarstromerzeuger dürfte es der dann weltweit einzige Internationale Solarflughafenpark Erfurt – Weimar direkt auf Platz eins des Schwarzbuches des Steuerzahlerbundes schaffen.
Wahrscheinlich ist damit auch ein erster Ansatz für die Initiative der Thüringer Ministerpräsidentin gefunden, die das Jahr 2012 auch zur weiteren Internationalisierung Thüringen nutzen will. Wenn schon keine Internationalen Gäste mehr am Flughafen in Erfurt starten und landen können, vielleicht finden wenigstens die Zugvögel in Erfurt-Bindersleben dann ein neues kurzzeitiges Zuhause.

SPD

„Er kann es“ ruft der eben frisch gekürte Millennium-Bambi-Preisträger und Altkanzler Helmut Schmidt aus und kürt seinerseits SPD-Hinterbänkler Peer Steinbrück, demokratisch durch und durch, zum SPD-Kanzlerkandidaten. So einfach kann Führung bei Sozialdemokraten sein.
In Thüringen ist das viel basisdemokratischer. Das geht dann so: Sucht die Kabinettschefin beim Koalitionspartner jemand zum reden, geht sie zu ihrem Vize. Wenn der nicht mag, verweist er auf seinen Fraktionschef. Nun kann es sein und man mag es kaum glauben, der mag auch nicht, dann ist der Ansprechpartner auf Augenhöhe manchmal dessen innenpolitischer Sprecher. Der darf dann entweder zu einem christdemokratischen Anliegen einfach „Nein“ sagen oder verweist seinerseits auf die Fraktion, die erst noch entscheiden müsse. Das Ergebnis bliebe offen.
Schöner mutet da doch an, wenn das Schwarz-rote Kabinett Steuern schätzt. Man redet, prüft und rechnet und präsentiert ein solides Ergebnis. Nur einer, der dem Kabinett nicht beiwohnen konnte, verkündet viele tausend Kilometer von der neuen Heimat entfernt, die geschätzten Zahlen der geschätzten Kollegen seien frisiert. Nun, ein Friseur täte ihm tatsächlich gut.
Was macht es da für Freude, wenn sich die Fachkollegen in einem Thema nicht gleich treu und brav einigen können. Spätestens wenn sich wegen schierer Unerreichbarkeit die Parlamentarischen nicht finden können, muss die linke und rechte Herzkammer der Koalition anfangen zu schlagen. Aber noch so wahre Freundschaft führt nicht immer zu sofortiger Klarheit, wenn linksseitig noch der Vize gefragt werden muss, der seinerseits seinen Widerpart im Wirtschaftsministerium fragen, dann aber bei dessen „Nein“ den Koalitionsausschuss bitten und natürlich danach erst die Fraktion tagen, um gegen Ende eine Koalitionsarbeitsgruppe in der Staatskanzlei angerufen, die Fraktion zum Ergebnis erneut befragt und zum Schluss den Fachkollegen das Thema zur treuen und braven Einigung wieder übergeben wird.
Am besten ist doch, die hiesigen Koalitionsfreunde ließen einfach Helmut Schmidt entscheiden. Wie einfach könnte Führung sein.

PS. Dies ist natürlich frei erfunden und soll des Koalitionsfriedens wegen ausdrücklich niedergeschrieben sein. Herzlichen Glückwunsch zu zwei Jahren Schwarz-rot.

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